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Review: Ground Zero @ Thermen Bussloo 30.08.2014

Bühne1neu

Ground Zero 2014
30.08.2014 / Thermen Bussloo

DAS Festival das süchtig macht!

Nach einem scheinbar endlosen Jahr des Wartens, war es gestern endlich wieder soweit. Die ‘Thermen Bussloo’ haben erneut ihre Pforten für ein Festival der Extraklasse geöffnet… Und die Erwartungen hätten wohl höher nicht sein können.

Vor allem diejenigen, die bereits in einem der vergangenen Jahre in den Genuss der Ground-Athmosphäre gekommen sind und die das Fieber so gepackt hat wie mich vor einigen Jahren, waren natürlich gespannt auf die Fortsetzung des unverwechselbaren Konzepts, das dieses Festival
neben der Tatsache, dass es das einzige Outdoor-Event Hollands ist, das nachts stattfindet
so einzigartig macht.

Aber hohe Erwartungen neigen leider oftmals dazu zu den größten und bittersten Enttäuschungen zu werden, also hier die Highlights und wichtigsten Infos für euch zusammengefasst:

Das Gelände:
Die Harder Styles gehen auf Distanz

Letztes Jahr ein noch scheinbar bunt zusammengewürfelter Aufbau,
dieses Jahr eine klar getrennte und geordnete Gelände- und Floorstruktur.

Neben den Lockerboxen, die mit einem neuen schlüsselfreien System aufwarteten, war auch der Gesamtaufbau der Ground Zero dieses Jahr ein komplett neuer im Vergleich zum Jahr 2013.
So trennte sich dieses Jahr bereits direkt zu Anfang die Spreu vom Weizen…

Hardstyle-Liebhaber wandten sich an der jährlich wechselnden Kirmisattraktion, die dieses Jahr den Mittelpunkt des Geländes markierte und somit direkt am Eingang flanierte, nach rechts. Wohingegen die Besucher, die es doch lieber noch eine oder zwei Nummern härter mochten, sich in entgegengesetzter Richtung auf den verschiedenen Floors entlang des Seeufers verteilten.
Nah beieinander aber doch nicht kreuz und quer – ein Aufbau mit System…
Die Hardstyle-Floors auf der einen und die Hardcore-Floors auf der anderen Seite des Geländes.

Für mich schon direkt zu Beginn eine deutliche Verbesserung!

Lediglich diejenigen, die in beiden vertretenen Hauptgenres DJs unterstützen und zu deren Sets feiern wollten, hatten in diesem Jahr etwas größere Distanzen zu überwinden, um von einer Stage zur anderen zu kommen.
So war man, im schlechtesten Fall, gut und gerne mal über zwanzig Minuten unterwegs, wenn man vom

Industrial-Hardcore-Floor zur Main-Hardstyle-Bühne am anderen Ende wechseln wollte. Da dieses Dilemma aber zum Glück nur einen verschwindend geringen Anteil der Besucher betraf, ist das Geländekonzept in meinen Augen ein voller Erfolg gewesen!

Die Floors:
Frei nach dem Motto: Hard – Harder – Ruhr’G’Beats

2013 noch eine kleine, unbekannte, neue Stage, die anfangs bei den Holländern wohl lediglich ein wenig Neugier geweckt haben dürfte,
– dieses Jahr schon bereit
dem Industrial-Floor
– nicht nur in Sachen Größe, sondern vor allem was die ununterbrochene Fülle des Zeltes anging –
gehörig Konkurrenz zu machen!

Schnall dich an Holland…
…die Deutschen geben Vollgas und bringen neben bekannten Größen der Szene,
wie unter anderem s’Aphira, Tieum und Andy the Core,
auch neue
Talente aus den eigenen Reihen mit.

Schade nur, dass die Anlage dem seit letztem Jahr um mehr als das Doppelte an Fläche vergrößerten Floor nicht zu 100 % gewachsen war. Vor allem die Feiernden, die im hinteren Teil des Zeltes standen, mussten deshalb immer mal wieder für kurze Zeit beinahe komplett auf jegliche Art von Bass verzichten, wenn die Boxen ihre Arbeit zwischendurch aufgaben.

Das hatte allerdings keine wirklichen Auswirkungen auf den anhaltenden Besucherstrom, der die ganze Nacht das Zelt bis zum bersten gefüllt hielt.

Offensichtlich war ich also nicht die Einzige, die es, aufgrund der einfach herausragenden, antreibenden Sets, am Ende immer wieder dorthin zurück zog. Und wenn die Anlage mitspielte, war das Spektakel dort schlichtweg perfekt und an überschwappenden Gemütern und guter Laune kaum zu überbieten.
Grandioser Uptempo-Hardcore im gesunden Mix mit Industrialbeats, Frenchcore und Terror… Eine Strategie die in der Szene offensichtlich auf fruchtbarem Boden gelandet ist. Weiter so!

Industrial – große Namen im perfekten Rahmen

Ein Hardcore-Festival ohne die treibenden Bässe und speziellen Beats des Industrial ganz klar: Unmöglich!

Auf dem alteingesessenen Floor werden keine Experimente und auch keine Kompromisse gemacht. Hier muss schlichtweg alles passen.
Und das hat es!
Namenhafte DJs sind auf eine Anlage getroffen, die immer wieder die Herzen hat schneller schlagen lassen und in die Gesichter der Indu-Begeisterten, ein breites Grinsen zaubern konnte.

Der Bass der im angrenzenden Floor ab und an fehlte, war hier in jedem Fall durchgängig und in gewohnter, bester Manier zu finden und so brachten nicht nur Igneon System, ‘The Outside Agency‘ und ‘The Producer’ die Zeltwände zum Beben und die Feiernden zum eskalieren.

Für jeden was dabei gewesen? – Hardcore-Mainstage

Ein abwechslungsreiches Line Up, das neben Szene-Größen wie Angerfist, Unexist, Amnesys u.v.m. vor allem auch eines geboten hat: Abwechslung! DJ-Teams und -Kombinationen, die man so noch nirgends zusammen hat auflegen sehen, haben es geschafft sogar viele von denjenigen zur Mainstage zu locken, die diese sonst eher meiden. Und wenn man sich nach der Stimmung richtet, die selbst dann noch anhielt, als ein kurzer, aber heftiger Regenschauer auf die Masse herunter prasselte, waren wohl selbst die wählerischen unter den Anwesenden zum größten Teil positiv überrascht.

Allerdings scheint es so, dass man sich mit einer Teamzusammenstellung ein wenig verschätzt hat.
Denn da wo Day-mar, Tieum und Radium die Massen noch zum rasen gebracht haben, war es gerade der letzte Act auf der Hardcore-Mainstage, der das Gesamtbild einer beinahe perfekten Nacht zum Ende hin doch noch ein kleinwenig getrübt hat.
Das zumindest spiegelte sich später und währenddessen in den Reaktionen und Gesprächen wieder.

Sollte ein Schlussact, gerade wenn alle anderen kleineren Floors eine Stunde vor Ende geschlossen werden und so wirklich alle zur Mainstage strömen, nicht die letzten Reserven aus jedem einzelnen locken?
Sollte ein Schlussact nicht an die vorangegangene Stimmung anknüpfen und sie, wenn möglich, noch steigern, anstatt 90 % der Menschen auf der Tanzfläche zum stehen zu bringen?!

Nun die Zusammenführung von Tieum, Amnesys, Lenny Dee und Ophidian hat es jedenfalls nicht geschafft zu überzeugen.
Das Set – das auf jeden Fall ein paar schöne Höhepunkte hatte – konnte das Niveau der Vorangegangenen schlicht nicht halten bzw. steigern, was man allein daran erkennen konnte, dass dort wo vorher noch enthusiastisch getanzt und gefeiert wurde, nun nur noch automatisches Kopfnicken oder auf der Stelle Wippen zu sehen war.
Schade!

Ein persönliches Fazit:

Wer mit einem Konzept, wie dem der Ground Zero in den Kampf der Party-Veranstalter einsteigt, muss sich nicht nur seiner Sache unglaublich sicher sein, sondern er muss auch auf das vertrauen, was unsere Partys wie nichts anderes bestimmt: die Musik!
Das Konzept der Ground Zeroanders als die der meisten anderen großen Festivals – basiert nicht auf schicken, einzigartigen Bühnenkonstruktionen, einer professionellen Lasershow oder einem fantasievoll umgestalteten, künstlichen Gelände, an das man sich noch Jahre später erinnert und erzählt wie toll alles aussah und wie beeindruckend die Bühne und die passenden Laser waren…
Wenn ihr schon mal auf solch einem Festival wart, erinnert ihr euch noch wirklich an die Musik? Oder nur an die Show die drum herum war? Hand aufs Herz.

Im Vergleich dazu sind die Bühnen auf dem Ground Zero Festival schrecklich schlicht. Außer ein paar simplen hier und da eingefügten Effekten, wie Flammensäulen auf der Mainstage, Bildschirmen in unterschiedlichen Größen oder der verschiedenen Lichter und Laser – die selbstverständlich an keinem Floor fehlen dürfen – wird kaum etwas genutzt, das uns ablenkt und unsere Sinne mit aller Art Reizen praktisch nur so überflutet.
Stattdessen liegt der Fokus seitdem ersten Festival 2007 bis heute schlicht und einfach auf der Musik und macht die Party so für mich jedes Jahr wieder zu einem der besten Festival…

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